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ページ番号:0000009734更新日:2019年10月21日更新印刷ページ表示

FRIEDENSDEKLARATION

In unserer Welt erleben wir gegenwärtig, wie sich nationale Egoismen ausbreiten, internationale Beziehungen durch Ausgrenzung und Konfrontation immer angespannter werden und die Bemühungen um die Abschaffung der Atomwaffen zu einem Stillstand gekommen sind. Wie können wir auf diese globale Lage reagieren? Die Erfahrungen aus den beiden Weltkriegen hatten unsere Vorgänger veranlasst, für ihr Ideal einzustehen: eine Welt, in der es niemals wieder zu einem Krieg kommt. Sie widmeten ihre Kraft daher dem Aufbau eines Systems der internationalen Zusammenarbeit. Ist es gerade jetzt nicht notwendig, dass wir uns wieder darauf besinnen und - um des Fortbestehens der Menschheit willen - uns für diese ideale Welt einsetzen?

Diese Frage möchte ich insbesondere an die Jugend richten, die den Krieg nicht kennt, und die unsere Welt in die Zukunft führen wird. Und auch deshalb bitte ich darum, aufmerksam den Überlebenden der Atombombe vom 6. August 1945 zuzuhören.

Eine Frau, die damals fünf Jahre alt war, hat folgendes Gedicht verfasst:
„Die kleine Schwester mit der Topffrisur / von ihrem Kopf sprüht das Blut / die Mutter hält sie im Arm / wütende Ashura“

Und ein Mann, damals 18 Jahre alt, schildert seine Erlebnisse so: „Die Kleidung der Menschen war zu Fetzen verbrannt, sie waren so gut wie nackt und ich konnte doch nicht unterscheiden, ob Mann oder Frau. Menschen ganz ohne Haare, die Augäpfel heraushängend, Lippen und Ohren abgerissen. Die Haut ihrer Gesichter hing herab und am ganzen Körper überall Blut - so viele Menschen.“ Und er fordert mit Nachdruck: „Wir dürfen auf keinen Fall zulassen, dass die nachfolgenden Generationen etwas derartiges erleben muss. Es reicht, wenn wir dies durchmachen mussten.“

Diese Stimmen stammen von Menschen, die die Bombe überlebten und tiefe Wunden an Leib und Seele erlitten. Aber erhören wir auch ihre Appelle?

„Als einzelner Mensch sind wir schwach und klein, aber wenn jeder von uns Frieden anstrebt, dann können wir diejenigen Kräfte aufhalten, die auf einen Krieg hinarbeiten.“ Dies ist die Überzeugung einer Frau, die damals 15 Jahre alt war. Können wir zulassen, dass dies nur ein Wunsch bleibt?

Auch wenn ein einzelner Mensch schwach ist, so können viele gemeinsam, wenn sie ihre Kräfte vereinen, doch ihre Wünsche Realität werden lassen. Wenn wir uns in der Welt umschauen, gibt es dafür zahlreiche Beispiele. Die Unabhängigkeit Indiens ist so ein Beispiel. Mahatma Gandhi, der selbst Qualen und Leid auf sich genommen hat, um dazu beizutragen, hinterließ uns diesen Satz:

„Intoleranz ist selbst eine Form der Gewalt und ein Hindernis für das Wachstum eines wahren demokratischen Geistes.“

Um die aktuelle Situation zu überwinden und eine Welt zu errichten, die friedlich und nachhaltig ist, müssen wir über unsere einzelnen, unterschiedlichen Positionen und Meinungen hinauswachsen. Wir brauchen einen Geist der „Toleranz“, damit wir gemeinschaftlich unser Ideal erreichen können. Für dieses Ziel darf die jüngere Generation den Krieg und die Atombombenabwürfe nicht als Ereignisse der Vergangenheit abtun. Es ist wichtig, dass junge Menschen die Stimmen der Atombombenopfer und die Bemühungen der Menschen für eine friedlichere Welt zu ihrer eigenen Angelegenheit machen und unverzagt weiter voranschreiten um die Zukunft zu gestalten.

Und die Politiker dieser Welt müssen mit ihnen gemeinsam dieses Ideal der Zivilgesellschaft anstreben. Aus diesem Grund wünsche ich mir, dass sie die Städte der Atombombenabwürfe besuchen, den Zeitzeugenberichten zuhören und zum Friedensmuseum und der Nationalen Friedensgedenkhalle für die Opfer der Atombombe kommen, damit sie sich dem stellen, was den einzelnen Menschen und ihren Angehörigen widerfahren ist.

Und ich hoffe, dass sich diese Politiker an ihre mutigen Vorgänger erinnern: an Staatsmänner der beiden atomaren Supermächte USA und UdSSR, die inmitten eines nuklearen Rüstungswettlaufs und sich verschärfender Spannungen „Vernunft“ zeigten, das Ruder herumrissen und Abrüstungsgespräche begannen.

Die Stadt Hiroshima steht Seite an Seite mit circa 7.800 Städten der Organisation „Bürgermeister für den Frieden“, um gemeinsam den „Geist Hiroshimas“ überall unter den Zivilgesellschaften zu verbreiten und dadurch Politikern, die sich für eine Abschaffung der Atomwaffen einsetzen, den Rücken zu stärken. Wir erwarten, dass sich Staatsmänner überall auf dieser Welt in redlicher Absicht in Verhandlungen für eine nukleare Abrüstung begeben, so wie es im Artikel 6 des Atomwaffensperrvertrags festgelegt ist. Ebenso erwarten wir, dass sie dem Wunsch der Zivilgesellschaften entsprechen und auf eine Umsetzung des Atomwaffenverbotsvertrags hinarbeiten, der einen Meilenstein auf dem Weg in eine Welt ohne Atomwaffen darstellt.

Insbesondere appelliere ich an die japanische Regierung als Vertreter des einzigen Landes, in dem bei einem Krieg Atomwaffen eingesetzt wurden: erhören Sie die Anliegen der Atombombenüberlebenden und unterzeichnen und ratifizieren Sie den Atomwaffenverbotsvertrag! Sie sollten auch eine Führungsrolle einnehmen und weitere Schritte in Hinblick auf eine Welt ohne Atomwaffen unternehmen. Dies würde auch den Pazifismus der Japanischen Verfassung zum Ausdruck bringen. Darüber hinaus fordere ich mit Nachdruck, dass die Regierung sich der vielfältigen Qualen all der Menschen annimmt, die körperlich und seelisch unter den Auswirkungen der Radioaktivität leiden - darunter in erster Linie die durchschnittlich über 82-jährigen Überlebenden der Atombombenabwürfe. Die Unterstützung für diese Menschen muss ausgebaut und auch die „vom Schwarzen Regen betroffenen Gebiete“ erweitert werden.

Heute, bei dieser Friedensgedenkfeier zum 74. Jahrestag der Atombombenabwürfe, wollen wir von ganzem Herzen den Opfern der Atombombe gedenken und ihren Seelen Trost spenden. Und wir geloben, im Bündnis mit Nagasaki und zusammen mit allen geistesverwandten Menschen auf der ganzen Welt, uns mit aller Kraft für die Abschaffung der Atomwaffen einzusetzen und darauf aufbauend einen dauerhaften weltweiten Frieden anzustreben.

6. August 2019

Kazumi MATSUI

Bürgermeister der Stadt Hiroshima

Übersetzung: Inter Group Corp.

関連情報

過去の平和宣言(平成15年(2003年)~:PDF文書)/Archive of Peace Declarations(2003~:PDF)

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Friedensdeklaration(82KB)(PDF文書)

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